Carolina-Dosenschildkröte, Terrapene carolina, – © Hans-Jürgen Bidmon
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Warren - 2025 - 02

Warren, Clinton & Matthew Klukowski (2025): Shell colouration is associated with sex, boldness, and innate immunity in wild adult eastern box turtles (Terrapene carolina carolina). – Amphibia-Reptilia (published online ahead of print 2025).

Die Panzerfärbung steht in Zusammenhang mit dem Geschlecht, der Kühnheit und der angeborenen Immunität bei wildlebenden erwachsenen Östlichen Dosenschildkröten (Terrapene carolina carolina).

DOI: 10.1163/15685381-bja10230 ➚

Carolina-Dosenschildkröte, Terrapene carolina, – © Hans-Jürgen Bidmon
Carolina-Dosenschildkröte,
Terrapene carolina,
© Hans-Jürgen Bidmon

Die Färbung von Tieren spielt oft eine Rolle bei der innerartlichen Kommunikation. Die Zeichnungen von Eidechsen und die Ornamente von Vögeln sind häufige Beispiele für ehrliche Signale bezüglich des physiologischen Zustands und des Verhaltens. Schildkröten besitzen sowohl mit den nicht mit den Vögeln näher verwandten Reptilien wie auch mit den näher verwandten Reptilien gemeinsam entwickelte Merkmale und viele von ihnen weisen Farbmarkierungen auf Panzer und Kopf auf, doch die Bedeutung der Färbung bei Schildkröten bleibt unklar. Wir untersuchten Aspekte der Panzerfärbung (Farbton, Sättigung und Helligkeit des Panzers sowie den Prozentsatz der Schwärzung von Panzer und Plastron) bei erwachsenen östlichen Dosenschildkröten (Terrapene carolina carolina) aus einer Feuchtgebietspopulation und untersuchten ihren Zusammenhang mit Alter, Geschlecht, Kühnheit, Hämolysefähigkeit, Plasmatriglyceriden, Plasmacorticosteron und Körperzustand. Wir fanden Belege für unterschiedliche Kühnheitstemperameter (Mut), die auf einer hohen Variation zwischen den Individuen und einer geringen Variation innerhalb der Individuen bei verschiedenen Verhaltensweisen während und nach der Handhabung beruhten. Die Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass verschiedene Aspekte der Panzerfärbung mit dem Geschlecht, dem Mut und der angeborenen Immunität in Verbindung stehen. Insbesondere wiesen Männchen rötlichere Panzerflecken auf als Weibchen, mutigere Schildkröten hatten hellere Panzerflecken und weniger melanistische (stärker gefleckte) Plastra, und Schildkröten mit höheren In-vitro-Hämolyse-Werten hatten tendenziell mehr farbgesättigte Panzerflecken. Diese Assoziationen deuten darauf hin, dass die Färbung des Panzers möglicherweise Aspekte des Verhaltens und der Immunfunktion signalisiert. Wir erörtern jedoch die Einschränkungen, die sich aus unseren Methoden ergeben, wie z. B. die Verwendung einer einzigen Blutprobe für physiologische Messwerte. Weitere Studien zu diesen Zusammenhängen sind erforderlich, um ihre Stabilität, die zugrundeliegenden Mechanismen und die ökologischen Auswirkungen zu bestimmen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Studie versucht eine Beziehung zwischen äußerem Erscheinungsbild und bestimmten Verhaltensweisen sowie mit Signalen, die eine optimierte Geschlechtspartnerauswahl ermöglichen könnten, herzustellen. Allerdings stellt sich hier die Frage, wie schnell sich solche Merkmale in der eher wenig flexiblen Keratinschicht verändern ließen, um als zuverlässige aktuelle Signale zu dienen, denn Krankheiten oder Parasitenbefall können ja recht kurzfristig auftreten. Sicher geschwächte Individuen würden sich eventuell anders verhalten als kräftige gesunde Exemplare, aber ob das gleich die Carapax- und Plastronfärbung verändern würde, bleibt offen. Da scheint mir doch die Färbung und Durchblutung der Augen eher als aktuelle Signalfunktion zuverlässiger zu sein. Siehe dazu auch Carlson et al. (2020).

Literatur

Carlson, B. E., K. Klein & C. Rhodes (2020): First report of rapid eye color change in a non‐avian tetrapod. – Ethology 126(9): 942-946 oder Abstract-Archiv.

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