Moeller, Christin A., Saren Perales, Wraith Rodriguez, Alynn M. Martin, Cord B. Eversole, Sandra Rideout-Hanzak, Paul Crump, Clayton D. Hilton & Scott E. Henke (2025): Surveillance of Mycoplasma agassizii in Texas tortoises (Gopherus berlandieri) for translocation with emphasis on treatment and recovery. – QUELLE.
Überwachung von Mycoplasma agassizii bei texanischen Landschildkröten (Gopherus berlandieri) im Hinblick auf ihre Umsiedlung mit Schwerpunkt auf Behandlung und Erholung.
DOI: 10.3389/fvets.2024.1525179 ➚
Hintergrund: Texas-Schildkröten (Gopherus berlandieri) sind eine vom Aussterben bedrohte Art in Texas. Umsiedlungen werden oft als Möglichkeit zur Schadensbegrenzung vorgeschlagen; jedoch müssen der Krankheitsstatus und die Möglichkeit einer Ausbreitung von Krankheitserregern vor solchen Maßnahmen berücksichtigt werden. Mycoplasma-Infektionen der oberen Atemwege sind bei Schildkrötenpopulationen ein Problem, das überwacht werden muss, damit Umsiedlungsmaßnahmen nicht versehentlich zur Ausbreitung der Krankheit führen.
Ziele: Wir haben die Prävalenz von Mycoplasma agassizii bei Texas-Schildkröten an Spender- und Empfängerstandorten in Südtexas vor der Umsiedlung ermittelt und verglichen, mit Mycoplasma agassizii infizierte Schildkröten mit Danofloxacin behandelt und alternative Behandlungen für Mycoplasma agassizii für Texas-Schildkröten entwickelt.
Methoden: Wir sammelten 171 bzw. 23 Texas-Schildkröten von einem 270 ha großen Spender- bzw. einem 100 ha großen Empfängerstandort. Wir begannen eine Behandlung mit Danofloxacin (6 mg/kg Körpergewicht, subkutan injiziert, jeden zweiten Tag über 30 Tage) für Schildkröten mit klinischen Anzeichen (N = 20). Wir stellten fest, dass weitere 10 Schildkröten nach der Umsiedlung klinische Anzeichen einer Erkrankung der oberen Atemwege (URTD) zeigten. Daher entwarfen wir einen Versuch, um Tulathromycin (5 mg/kg Körpergewicht, einmal wöchentlich intramuskulär über 7 Wochen verabreicht) oder Oxytetracyclin (8 mg/kg Körpergewicht, einmal täglich subkutan über 14 Tage verabreicht) als Behandlung von symptomatischen Schildkröten gegen Mycoplasma zu testen.
Ergebnisse: An den Spender- und Empfängerstellen wiesen 56 (32,7 %) bzw. 8 (34,8 %) Antikörpertiter auf, die auf eine frühere Exposition hindeuteten. Achtzehn Schildkröten aus dem Spenderbereich (10,5 %) und zwei aus dem Empfängerbereich (8,7 %) zeigten bei der ersten Entnahme klinische Anzeichen (d. h. klarer seröser Nasenausfluss, Konjunktivitis und Augenlidödem), die auf eine Mykoplasma-bedingte URTD hindeuteten, obwohl alle Polymerase-Kettenreaktion-Ergebnisse (PCR) negativ auf eine aktive Ausscheidung von Mycoplasma agassizii waren. Wir brachen die Behandlung nach der ersten Dosis Danofloxacin aufgrund von Nebenwirkungen ab, die erst 72 Stunden nach der ersten Dosis nachließen. Weder Tulathromycin noch Oxytetracyclin führten nach einer 50-tägigen Behandlungsdauer zu einem Abklingen der klinischen Anzeichen von URTD.
Schlussfolgerung: Mycoplasma ist ein hartnäckiges Problem bei texanischen Schildkröten. Stressfaktoren wie die Umsiedlung können dazu führen, dass Mycoplasma-seropositive Schildkröten klinische Symptome von URTD zeigen, die ohne Behandlung abklingen können, sobald der Stressfaktor nachlässt.
Auswirkungen: Danofloxacin, die empfohlene Behandlung für Mycoplasma-Infektionen bei Schildkröten, ist für texanische Schildkröten nicht geeignet.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Eigentlich bleibt abzuwarten, ob Mykoplasmen wirklich ein schwerwiegendes Problem auf Dauer darstellen, denn deren Verbreitung ist mittlerweile allgegenwärtig und in vielen Fällen überleben die meisten Schildkrötenbestände verschiedenster Spezies problemlos. Es stellt sich fast schon die Frage, wo überhaupt noch komplett mykoplasmenfreie Bestände existieren.
