Wilson, Brett, Joseph Facendola & Amanda Southwood Williard (2026): Industry-sourced approaches to diamond-backed terrapin bycatch reduction in the North Carolina commercial blue crab fishery. – Fisheries Research 293: 107612.
Von der Industrie entwickelte Ansätze zur Reduzierung des Beifangs von Diamantschildkröten in der kommerziellen Blaukrabbenfischerei in North Carolina.
DOI: 10.1016/j.fishres.2025.107612 ➚

Malaclemys terrapin,
im Aquaterrarium
© Hans-Jürgen Bidmon
Der kommerzielle Fang der Blaukrabbe (Callinectes sapidus) ist eine der wertvollsten Fischereien in North Carolina und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Küstengemeinden. Die Diamantschildkröte (Malaclemys terrapin), eine Emydidae-Schildkröte aus Flussmündungen, ist in North Carolina als besonders gefährdete Art gelistet, wo der unbeabsichtigte Beifang in Krabbenfallen eine große Bedrohung darstellt. Bemühungen, den Beifang durch die Installation von Beifangreduktionsvorrichtungen (BRDs) an den Öffnungen der Krabbenfallen zu reduzieren, stießen aufgrund der befürchteten negativen Auswirkungen auf den Fang von Blaukrabben auf Widerstand. Im Jahr 2020 hat die North Carolina Marine Fisheries Commission (NCMFC) in zwei Gewässern in North Carolina Diamond-backed Terrapin Management Areas (DTMAs) ausgewiesen, in denen alle Krabbenfallen mit von der North Carolina Division of Marine Fisheries (NCDMF) zugelassenen BRDs ausgestattet sein müssen. Obwohl diese regulatorische Maßnahme ergriffen wurde, um die Auswirkungen der Fischerei auf Diamantschildkröten zu mindern, erkannte die NCDMF die Notwendigkeit, alternative Modifikationen der Fanggeräte zu untersuchen, die Diamantschildkröten ausschließen und gleichzeitig die Auswirkungen auf den Fang der Blaukrabbe minimieren. Das Hauptziel unserer Studie war es, die Wirksamkeit von aus der Industrie stammenden Modifikationen an den Trichtereingängen von Krabbenfallen zum Ausschluss von Diamantschildkröten zu testen und die Auswirkungen dieser Modifikationen auf den Fang von Blaukrabben zu bewerten. Die Ergebnisse von fischereiunabhängigen und fischereibezogenen Tests zeigen, dass schmale Trichterkonstruktionen (NFD) Diamantschildkröten wirksam ausschließen, ohne dass es zu einer signifikanten Verringerung des Fangs oder der Größe der Blaukrabben kommt. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Wirksamkeit der Zusammenarbeit zwischen Verwaltungsbehörden, Forschern und Interessengruppen der Industrie, um allgemein akzeptable Lösungen zur Verringerung des Beifangs von Diamantschildkröten in der kommerziellen Blaukrabbenfischerei zu finden.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Diese Studie die das Jahr 2026 einläutet zeigt zumindest, dass es Anzeichen dafür gibt, dass sich kognitiven Entwicklungen in Bezug zu Schildkröten geändert haben, denn diese Arbeit ist ein gelungenes Beispiel dafür, dass Menschen ihr strategisches Denkvermögen weniger auf deren Zubereitung, sondern heute zum Schutz der Schildkröten einsetzen. Hoffen wir das es auch unter der derzeitigen amerikanischen Regierung so bleiben kann und nicht wieder das Streben nach den „Best Deals“ die Oberhand gewinnt. Denn im Zuge einer Coevolution haben selbst die Schildkröten schon auf unser Tun reagiert (siehe Wolak et al., 2010). Ja, und wenn wir in diesem Jahr etwas über Coevolution nachdenken wollen, dann sollten selbst die Biologen unter uns nicht nur an Jena und Ernst Haeckel oder Darwin denken, sondern auch an Dawkin und sein Buch mit dem Titel „The river out of Eden“. Auch, wenn Dawkin aufgrund mancher seiner späteren Äußerungen etwas aus dem Blick verloren wurde, so denke ich, dass er sich selbst und wir uns an das erinnern sollten, was dort so schön formuliert über unser eigenes derzeitiges Individuelles - Hiersein zu lesen ist (siehe dazu den Kommentar zu Lee & Hays, 2004), Denn auch unsere Vorfahrenslinie reicht natürlicherweise sehr weit zurück und zwar nicht nur bis zu jenen Vorfahren die sich auch von Reptilien ernährten, sondern auch bis zu Jenen die mal welche waren. Ja, und wer jetzt noch meint Rassismus und Ausgrenzung würde uns weiterhelfen, der hat wahrscheinlich seinen eigenen Evolutionsweg nicht ganz verstanden.
Literatur
Lee, P. L. M. & G. C. Hays (2004): Polyandry in a marine turtle: Females make the best of a bad job. – Proceedings of the National Academy of Science of the U.S.A. 101(17): 6530-6535 oder Abstract-Archiv.
Nabais, Mariana, Ruth Blasco, Iratxe Boneta, David Gonçalves, Marina Igreja, Valentina Lubrano & Anna Rufà (2025): Experimental analysis of roasted and raw turtle butchery and implications for early human cognition and behaviour. – Scientific Reports Online ahead of print oder Abstract-Archiv.
Wolak, M. E., G. W. Gilchrist, V. A. Ruzicka, D. M. Nally & R. M. Chambers (2010): A Contemporary, Sex-Limited Change in Body Size of an Estuarine Turtle in Response to Commercial Fishing. – Conservation Biology 24(5): 1268-1277 oder Abstract-Archiv.
Galerien
Malaclemys terrapin – Diamantschildkröte
