Zierschildkröte, Chrysemys picta, im Gartenteich – © Hans-Jürgen Bidmon
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Rouleau - 2025 - 01

Rouleau, Carter J., Jacqueline D. Litzgus, Njal Rollinson & Julia L. Riley (2025): Basking buddies: factors influencing social associations in basking aggregations of turtles. – Behavioral Ecology and Sociobiology 80(1): 6.

Sonnenbadende Freunde: Die Faktoren die die sozialen Beziehungen zwischen den gemeinsam Sonnenbadenden Schildkrötenansammlungen beeinflussen.

DOI: 10.1007/s00265-025-03675-4 ➚

Zierschildkröte, Chrysemys picta, – © Hans-Jürgen Bidmon
Zierschildkröte, Chrysemys picta,
© Hans-Jürgen-Bidmon

Das Sonnenbaden in Gruppen mit Artgenossen ist bei Reptilien umfassend dokumentiert, und in einigen Kladen, insbesondere bei den Scincidae, können Sonnenbäder repräsentativ für wiederholbare und stabile soziale Verwandtschaftsgruppen sein. Es gibt weniger Belege für soziales Sonnenbaden bei Nicht-Squamata-Reptilien, aber immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass soziales Verhalten bei Schildkröten weit verbreitet sein könnte. Um die sozialen Triebkräfte von sonnenbadenden Gruppen zu ergründen, haben wir das Sonnenbadeverhalten einer Population von Zierschildkröten (Chrysemys picta marginata) über zwei aktive Jahreszeiten hinweg aufgezeichnet. Wir untersuchten potenzielle Faktoren, die die Gruppenzusammensetzung während der Sonnenbäder beeinflussen, und testeten, ob das soziale Sonnenbaden durch individuelle Merkmale beeinflusst wird, die Dominanzhierarchien widerspiegeln könnten. Wir verwendeten Netzwerkanalysen, um Matrizen der sozialen Assoziationen zwischen den sonnenbadenden Individuen zu erstellen, und untersuchten räumliche Überschneidungen, genetische Verwandtschaft, Körpergröße und Geschlecht als mögliche Prädiktoren für diese Assoziationen auf Populationsebene. Wir quantifizierten auch das individuelle Sozialverhalten durch die Berechnung von Netzwerkmetriken und untersuchten, ob die Körpergröße und ein Proxy für Mut das Sozialverhalten auf individueller Ebene beeinflussen. Wir fanden keine Belege dafür, dass räumliche Überschneidungen, Verwandtschaft, Körpergröße oder gleiche Geschlechtszugehörigkeit als Treiber für soziale Assoziationen beim Sonnenbaden fungieren. Die Schildkröten assoziierten sich im Allgemeinen nicht miteinander, aber wenn sie es taten, wurden Assoziationen mit nahestehenden Artgenossen bevorzugt (d. h. nicht zufällig). Darüber hinaus stellten wir fest, dass die Körpergröße und ein Indikator für Mut das Sozialverhalten weiblicher Schildkröten beeinflussten. Diese Ergebnisse auf individueller Ebene deuten darauf hin, dass eine Dominanzhierarchie die soziale Struktur beim Sonnenbaden von Zierschildkröten beeinflussen kann. Unsere Ergebnisse haben Auswirkungen auf das Verständnis der Evolution der kryptischen Sozialität und erfordern eine gründlichere Untersuchung der sozialen Organisation bei einer größeren Bandbreite von Nicht-Vogel-Reptilien.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Studie beschreibt und diskutiert sehr schön die Parameter, die das Sonnenbaden in Gruppen beeinflussen. Es verwundert dabei nicht, dass gerade bei den Weibchen eine Hierarchie und etwas Wagemut einen Einfluss auf die Gruppenzusammensetzung hat. Vielleicht spielt dabei auch Alter und Erfahrung eine Rolle. Zudem finde ich den Befund, dass zwar 79 % dieser beobachteten Schildkröten dabei erfasst wurden, aber wenn man sich nur auf das reine Sonnenbaden fokussiert, fand man, dass nur 53 % gemeinsam mit einer weiteren oder mehreren Schildkröte ein Sonnenbad genossen. Was für meinen Geschmack dabei etwas unberücksichtigt blieb, ist die eigentliche Funktion des Sonnenbadens, nämlich die Thermoregulation (Nordberg & McKnight, 2023; Snover et al., 2015). Deshalb gibt es hier physikalische Einflüsse wie Umgebungstemperatur, Sonneneinstrahlungswinkel usw., die einen Einfluss auf den jeweiligen Sonnenbadeplatz einer individuellen Schildkröte haben. Insofern sollte man schon berücksichtigen, dass es zum einen für jedes Individuum darum geht, einen der optimalen Plätze zu nutzen. Dabei könnte Erfahrung eine Rolle spielen und wie hier gezeigt auch etwas Mut sich etwas mehr aus einer eventuell beschattenden Deckung zu wagen oder sich gegen einige weniger draufgängerische Kollegin durchzusetzen. Allerdings lassen sich diese Beobachtungen, die hier herausgearbeitet wurden, durchaus auch hier beobachten und mancherorts wohl auch bestätigen. Allerdings was sich hier z. B. in Deutschland leichter vielleicht untersuchen ließe, wäre die Tatsache welchen Einfluss die oben angesprochenen physikalischen Parameter auf das individuelle Sonnenbadeverhalten haben, denn beobachtet man ja meist gemischte Gruppen von sonnenbadenden Schildkröten, die auch alters- und artspezifische Körpergrößenunterschiede aufweisen. Was mir dabei sowohl in Bezug bei Zierschildkröten wie auch bei Buchstabenschildkröten aufgefallen ist, war die Beobachtung, dass kleine juvenile Individuen so gut wie nie zusammen mit jungen und adulten größeren Individuen zu beobachten waren. Vielleicht mag das daran liegen, dass sie aufgrund ihrer geringen Größe und ihres Gewichts kleinere und wenn es sich um aus dem Wasser ragende Blätter und Pflanzenstengel handelt, nutzen können, die von größeren Individuen nicht genutzt werden können. Eine Beobachtung, die ich auch bei Emys orbicularis machen konnte.

Literatur

Bidmon, H.-J. (2024): Commercially assisted migration – Invasive species and their future in a globalized world: A perspective – Artikel-Archiv.

Bidmon, H.-J. (2025): Water castles, monasteries and castle ruins between the Niers and Erft rivers and their chelonians, as well as the presumed first evidence of Mauremys leprosa in the Rhineland region: A brief report. - Artikel-Archiv.

Nordberg, E. J. & D. T. McKnight (2023): Seasonal, environmental and anthropogenic influences on nocturnal basking in turtles and crocodiles from North‐Eastern Australia. – Austral Ecology 48(8): 1516-1531 oder Abstract-Archiv.

Snover, M. L., M. J. Adams, D. Ashton, J. B. Bettaso & H. H. Welsh Jr. (2015): Evidence of counter-gradient growth in western pond turtles (Actinemys marmorata) across thermal gradients. – Freshwater Biology 60(9): 1944-1963 oder Abstract-Archiv.

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