Europäische Sumpfschildkröte, Emys orbicularis, – © Hans-Jürgen Bidmon
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Lanszki - 2024 - 01

Lanszki, József, Tamás G. Molnár, Tibor Erős, Gábor Ónodi, Zsófia Lanszki & Jenő J. Purger (2024): Testing how environmental variables affect the survival of freshwater turtle nests and hatchlings using artificial nests and dummy hatchlings. – Scientific Reports 14(1): 31713.

Das Austesten wie sich unterschiedliche Umweltbedingungen auf das Überleben von Süßwasserschildkrötennestern und deren Schlüpflinge unter Verwendung von künstlichen Nestern und Schlüpflingsattrappen auswirkt.

DOI: 10.1038/s41598-024-82032-3 ➚

Europäische Sumpfschildkröte, Emys orbicularis, – © Hans-Jürgen-Bidmon
Europäische Sumpfschildkröte,
Emys orbicularis,
© Hans-Jürgen-Bidmon

Die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) ist eine weit verbreitete, langlebige Süßwasserart mit geringem Fortpflanzungserfolg, der hauptsächlich auf den hohen Beutegreiferdruck zurückzuführen ist. Wir untersuchten, wie sich Habitatvariablen und Raubtiergemeinschaften in naturnahen Sümpfen auf das Überleben von Schildkröteneiern und Jungtieren auswirken. Wir verfolgten das Überleben künstlicher Schildkrötennester, die im Mai und Juni in Sümpfen entlang des Plattensees (Ungarn) platziert wurden, sowie von Jungtieren (Attrappen), die im September ausgesetzt wurden. Wir stellten fest, dass die wenigsten Nester in dem am wenigsten gestörten, ausgedehntesten Gebiet mit der größten Schildkrötenpopulation ohne Raubtierkontrolle intakt blieben. Im Vergleich zu Nestern hatten Jungtiere eine deutlich höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. Die Dichte der Raubtierbauten deutete auf einen negativen Einfluss auf die Anzahl der Expositionstage hin, während die Sumpfvegetation keine Rolle spielte. Die Rolle von Raubtieren, insbesondere des Rotfuchses (Vulpes vulpes), bei der Prädation von Nestern war signifikanter, während die Prädation durch Rabenvögel (Corvidae) und Wildschweine (Sus scrofa) bei den Schlüpflingen zunahm. Die Prädation durch Säugetiere nahm mit der begrenzten Verfügbarkeit trockener Landflächen, die sich zum Eierlegen eignen, und mit der Entfernung zum Wasser zu. Unsere multifaktoriellen Analysen unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Schutzmaßnahmen, um den Fortpflanzungserfolg von Schildkröten in diesen ökologisch sensiblen Umgebungen zu verbessern.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine bemerkenswerte Beobachtung, die eigentlich andeutet, dass die Veränderungen, die an sumpfigen Lebensräumen vorgenommen wurden, dazu führen, dass sich der Beutegreiferdruck für die Sumpfschildkröten erhöht. Dies sollte zum Überdenken bei den Erhaltungsmaßnahmen für die Europäische Sumpfschildkröte führen. Dabei ist es wohl auch entscheidend zu prüfen, ob es sich um ein natürliches im Zuge des Klimawandels stattfindendes Trockenfallen handelt oder ob es sich durch eine nutzungsbedingte künstlich erzeugte Trockenlegung handelt, da sich letztere auch wieder durch eine entsprechende Vernässung rückgängig machen ließe. Siehe dazu auch Purger et al. (2023) sowie Hunter et al. (2025) und den dortigen Kommentar.

Literatur

Hunter, Christina, Deborah S. Bower, Richard A. Peters, Ricky-John Spencer, Ligia Pizzatto & James U. Van Dyke (2025): Mitigating Fox Predation on Freshwater Turtle Nests: Comparing Effectiveness of Three In Situ Protection Methods. – Ecology and Evolution 15(9): e72121 oder Abstract-Archiv.

Purger, J. J., T. G. Molnár, Z. Lanszki & J. Lanszki (2023): European Pond Turtle (Emys orbicularis) Nest Predation: A Study with Artificial Nests. – Biology 12(3): 342 oder Abstract-Archiv.

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