Hichami, Nawal & Mohammed Znari (2024): Seasonal Variations in the Food Habits of the Souss Valley Tortoise, Testudo greaca graeca, in an Arid Area of West-central Morocco. – Herpetological Conservation and Biology 19(3): 429–439.
Saisonale Unterschiede in der Nahrungsnutzung bei der Maurischen Landschildkröte, Testudo graeca graeca aus dem Souss-Tal in einer Trockenregion in Westzentral-Marokko.
DOI: None ➚

Testudo graeca,
© Hans-Jürgen Bidmon
Wie bei anderen bedrohten Arten ist auch bei den Souss-Tal-Schildkröten (Testudo graeca graeca) eine genaue Kenntnis der Ernährungsgewohnheiten für ihre Erhaltung und Bewirtschaftung wichtig. Wir haben die Zusammensetzung der Nahrung und ihre saisonalen Veränderungen mithilfe einer mikrohistologischen Kotuntersuchung an Schildkröten aus einem trockenen Steppenland im zentralen Jbilet-Gebirge im Westen Marokkos zwischen Frühjahr 2011 und Winter 2012 ermittelt. Die Schildkröten waren ausschließlich Pflanzenfresser, wobei ein Trend zur Spezialisierung auf seltene, sehr seltene oder einige häufig vorkommende Pflanzenarten zu beobachten war. Die Ernährung variierte je nach Jahreszeit, wie aus den Indizes für Margalef-Reichtum, Shannon-Diversität und Gleichverteilung hervorgeht. Die Ernährung im Frühjahr ist vielfältiger, mit 16 verzehrten Pflanzenarten gegenüber nur fünf bzw. sieben Arten im Sommer und Herbst/Winter, wobei nur fünf Arten in allen Jahreszeiten vorkommen. Die Überschneidungen der Ernährung zwischen dem Frühjahr und den anderen Jahreszeiten sowie zwischen Sommer und Herbst sind gering. Umgekehrt gibt es eine moderate Überschneidung zwischen der Ernährung im Sommer und keinen Unterschied zwischen der Ernährung im Herbst und Winter. Die Überschneidung der trophischen Nischen ist zwischen Frühjahr, Winter und der Mitte der anderen Jahreszeiten am höchsten, und es gibt eine ausgeprägte Ähnlichkeit zwischen Herbst und Winter. Die von uns bereitgestellten Daten zu saisonalen Schwankungen in der Ernährung könnten bei der Entwicklung von Managementplänen für Schildkröten und ihren natürlichen Lebensraum in Trockengebieten mit geringer Produktivität nützlich sein.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Eine Arbeit, die für die Haltung in menschlicher Obhut außerhalb dieser Orginalhabitate wenig an Information beinhaltet, da die artifizielle Ernährung im Rahmen von Haltungsbedingungen meist naturbedingt stark von diesen vor Ort abweicht. Selbst dann, wenn man dieselben Pflanzenarten oder nahe verwandte Pflanzenarten verfüttern würde, weichen meist deren Feuchtigkeitsgehalt und Mineralgehalt deutlich von den saisonal verfügbaren im Orginalhabitat ab. Aber letztendlich beobachtet man bezogen auf das Management der natürlichen Lebensräume in solch ariden Regionen immer etwas Ähnliches wie wir es von Studien an Gopherschildkröten und wenigen anderen Arten in der Vergangenheit lernen durften (siehe Hazard et al., 2009; 2010; Henen et al., 2005; Jennings & Berry, 2025).
Literatur
Hazard, L. C., D. R. Shemanski & K. A. Nagy (2010): Nutritional Quality of Natural Foods of Juvenile and Adult Desert Tortoises (Gopherus agassizii): Calcium, Phosphorus, and Magnesium Digestibility. – Journal of Herpetology 44(1): 135-147 oder Abstract-Archiv.
Hazard, L. C., D. R. Shemanski & K. A. Nagy (2009): Nutritional Quality of Natural Foods of juvenile Desert Tortoises (Gopherus agassizii): Energy, Nitrogen, and Fiber Digestibility. – Journal of Herpetology 43(1): 38-48 oder Abstract-Archiv.
Henen, B. T., M. D. Hofmeyr, R. A. Balsamo & F. M. Weitz (2005): Lessons from the food choices of the endangered geometric tortoise Psammobates geometricus. – South African Journal of Science 101(9-10): 435-438 oder Abstract-Archiv.
Jennings, W. B. & K. H. Berry (2015): Desert Tortoises (Gopherus agassizii) Are Selective Herbivores that Track the Flowering Phenology of Their Preferred Food Plants. – PLoS One 10(1): e0116716 oder Abstract-Archiv.
Galerien
Testudo graeca – Maurische Landschildkröte
