Texas-Gopherschildkröte, Gopherus berlandieri, – © Daniel A. Guerra
Featured

Guerra – 2025 - 01

Guerra, Daniel A., Todd C. Esque, Drew R. Davis & Joseph A. Veech (2025): Home range, seasonality, and the importance of canopy cover for Texas tortoises (Gopherus berlandieri). – Herpetologica 81(3): 224-235.

Die saisonale Home-Rangenutzung und deren Buschkronenbedeckung bei der Texas-Gopherschildkröte (Gopherus berlandieri).

DOI: 10.1655/Herpetologica-D-24-00045 ➚

Texas-Gopherschildkröte, Gopherus berlandieri, – © Daniel A. Guerra
Texas-Gopherschildkröte,
Gopherus berlandieri,
© Daniel A. Guerra

Texas-Gopherschildkröten (Gopherus berlandieri) sind im Vergleich zu ihren unter Bundesgesetzschutz stehenden Artgenossen nur unzureichend erforscht. Trotz wichtiger früherer Studien zur grundlegenden Ökologie von G. berlandieri ist die quantitative Identifizierung von Lebensraumassoziationen mit bestimmten Umweltbedingungen begrenzt. Gopherus berlandieri bewohnt in seinem gesamten Verbreitungsgebiet die Tamaulipan-Dornensträucher-Region, und die Küstenpopulationen sind historisch mit flachen Lehmhügel mit dichtem Mesquite-Buschwerk verbunden, die von Salzprairie-Grasland umgeben sind. Unsere Studie untersuchte die Größe des Aktionsraums der Schildkröten und den Zusammenhang mit der Baumkronenbedeckung und der potenziellen Bodenfeuchtigkeit in einem Naturschutzgebiet im Cameron County, Texas, USA. Zwölf Schildkröten wurden mit GPS-Loggern ausgestattet, die von März 2020 bis März 2022 einmal pro Stunde ihren Standort aufzeichneten. Um die Aktionsräume abzugrenzen, schätzten wir die Nutzungsverteilungen (UDs) für Schildkröten als autokorrelierte Kernel-Dichte-Schätzungen (AKDEs) auf den Ebenen „geringe Nutzung“ (95 %) und „Kernnutzung“ (50 %) für jede Schildkröte. Die UDs wurden für den gesamten Untersuchungszeitraum und während der Jahreszeiten mit anhaltender Hitze oder Kälte geschätzt, um festzustellen, ob die Schildkröten den Raum während des Untersuchungszeitraums in diesen Jahreszeiten unterschiedlich nutzten. Unter Anwendung eines Nutzungs-Verfügbarkeits-Studiendesigns verglichen wir die Baumkronenbedeckung und die potenziellen mesischen Bodenbedingungen (d. h. die Niederschlagsflussakkumulation) innerhalb der UD jeder Schildkröte („Nutzung“) mit dem Gebiet innerhalb der Bewegung eines Tages um die Grenze der UD („verfügbar“). Die Größe der UD der Schildkröten unterschied sich je nach Jahreszeit signifikant bei niedriger Nutzung (95 %), jedoch nicht bei Kernnutzung (50 %) der AKDE-Werte. Die UD der Schildkröten wiesen bei beiden AKDE-Werten eine größere Baumkronendecke auf als die verfügbaren, aber ungenutzten Gebiete. Die potenziellen mesischen Bodenbedingungen unterschieden sich nicht signifikant zwischen verfügbaren und genutzten Gebieten. Unsere Studie ergab, dass Schildkröten die Größe ihrer Lebensräume im Laufe des Jahres variieren, während Gebiete mit intensiver Nutzung oder Besiedlung im Laufe des Jahres tendenziell bemerkenswert stabil blieben. In Jahreszeiten mit extremen Wetterbedingungen (Hitze oder Kälte) scheinen Schildkröten Gebiete mit dichterer Baumkronendecke aufzusuchen, die wahrscheinlich als thermische Rückzugsorte dienen. Basierend auf unseren Ergebnissen lässt sich ein Lebensraum am besten identifizieren, indem sichergestellt wird, dass die Baumkronenbedeckung mindestens den hier angegebenen Werten entspricht, um während extremer saisonaler Temperaturen ausreichende Rückzugsorte zu gewährleisten.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese Studie zeigt, dass die Texas-Gopherschildkröten eine sehr saisonale Lebensraumnutzung zeigen, die weniger von der Bodenfeuchte als von Temperatur beeinflusst wird. Da diese Gopherschildkröte keine Höhlen gräbt scheint das für sie besonders wichtig zu sein, weil sie eben nicht durch die Nutzung von Höhlen sich selbst klimatisch günstige Lebensräume schafft. Im Winter sind diese genutzten Lebensräume oft kleiner als 0,2 Hektar, während sie im Sommer wesentlich größer sind. Dabei nutzen die Schildkröten die Dichte der Dornstauchkronen zur Thermoregulation und meiden eigentlich zu jeder Jahreszeit offene Flächen, da sowohl im Winter wie auch im Sommer die Strauchkronenbedeckung stabilere klimatische Bedingungen bieten. Hier wurde zwar die Bodenfeuchte nicht direkt gemessen, sondern nur anhand von Regenabflussrinnen geschätzt was aber letztendlich auch darauf schließen lässt, dass die Bodenfeuchte und die damit einhergehenden besseren Bedingungen für die Vegetation und Futterpflanzen unter den Strauchkronen wesentliche Vorteile insbesondere während der heißen Sommermonate bieten. Denn es ist ja auch aus anderen lebensräumen bekannt, dass tiefreichende Strauch- bzw. Baumwurzeln auch Wasser in die oberen Bodenschichten ziehen, die das Wachstum einer Krautschicht fördern. Insofern scheint sich G. berlandieri ähnlich zu verhalten wir es von Pantherschildkröten und auch Terrapene-Arten in ähnlicher Form bezüglich der Auswahl saisonaler Refugien kennen. Siehe z. B.: Currylow et al. (2013; 2012) und McMaster & Downs (2006) sowie die dortigen Kommentare.

Literatur

Currylow, A. F., B. J. MacGowan & R. N. Williams (2013): Hibernal thermal ecology of eastern box turtles within a managed forest landscape. – Journal of Wildlife Manage¬ment 77(2): 326-335 oder Abstract-Archiv.

Currylow, A. F., B. J. MacGowan & R. N. Williams (2012): Short-Term Forest Management Effects on a Long-Lived Ectotherm. – PLOS ONE 7(7): e40473 oder Abstract-Archiv.

McMaster, M. K. & C. T. Downs (2006): Do seasonal and behavioral differences in the use of refuges by the leopard tortoise (Geochelone pardalis) favor passive thermoregulation? – Herpetologica 62(1): 37-46 oder Abstract-Archiv.

Galerien