Mayorga, Aideé Arriaga, Nataly Castelblanco-Martínez, I. D. Aguilera-Miranda, Judith Adriana Velarde Lemus, Carlos Alberto Niño Torres, María-Del-Pilar Blanco-Parra, Pierre Charruau & Valentina Islas-Villanueva (2024): Romeo and Juliet: a forbidden love story? A review of hybridization in keystone, aquatic megafauna. – Animal Biodiversity and Conservation 47(2): 209-225.
Romeo und Julia: Eine verbotene Liebesgeschichte? Ein Überblick über die Hybridisierung bei Schlüsselarten der aquatischen Megafauna.
DOI: 10.32800/abc.2024.47.0209 ➚

Mauremys reevesii,
einjähriges Jungtier im Aquaterrarium
© Hans-Jürgen Bidmon
Romeo und Julia: Eine verbotene Liebesgeschichte? Eine Untersuchung der Hybridisierung in der aquatischen Megafauna. Hybridisierung, hier verstanden als die sexuelle Fortpflanzung zwischen Individuen verschiedener Arten, ist in Fluss-, Mündungs- und Meeresumgebungen relativ häufig. Die Untersuchung der Hybridisierung in Wildpopulationen aquatischer Megafauna-Arten liefert wichtige Erkenntnisse über ihre Biologie, Evolution und Erhaltung. Hier haben wir eine umfassende und systematische Überprüfung veröffentlichter Berichte über Hybriden in der aquatischen Megafauna durchgeführt, um eine klare Zusammenfassung des aktuellen Stands der Technik und der Hybridisierungstrends in dieser Gruppe zu liefern. Wir haben 129 Zeitschriftenartikel ausgewählt, in denen über 80 Hybride in der aquatischen Megafauna berichtet wird. Wir haben Säugetiere (40,3 %), Schildkröten (33,3 %), Krokodile (17,8 %) und Elasmobranchier (8,5 %) einbezogen, die in Ozeanen und Binnengewässern weit verbreitet sind. Unsere Ergebnisse zeigten eine deutliche Zunahme der Berichte über Hybriden, an denen aquatische Megafauna beteiligt ist, in den letzten Jahren, was möglicherweise auf die Verbesserung der molekularen Techniken zurückzuführen ist. Dieser Anstieg könnte jedoch auch eine Folge der Umsiedlung von Organismen und der Veränderung des Lebensraums durch den Menschen sein und sich kritisch auf den Artenschutz auswirken, insbesondere in Bezug auf bereits dezimierte Populationen. Die Hybridisierung hat direkt oder indirekt das Aussterben vieler Arten begünstigt, aber auch eine entscheidende Rolle bei der Evolution und Anpassung vieler anderer Arten gespielt. Um festzustellen, ob die Hybridisierung ein natürlicher Effekt oder eine Begleiterscheinung anthropogener Belastungen ist, müssen wir ihre Auswirkungen auf den Schutz der aquatischen Megafauna verstehen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Ob wir diesen hier im letzten Satz anvisierten Schutz gewährleisten können, bleibt leider mehr als fraglich, wenn wir einmal mehr die globalen wirtschaftlichen Interessen, die immer einen Vorrang haben werden, mit einbeziehen. Insofern und im Hinblick auf die lange zurückreichende Rolle die Hybridisierung in der Evolution spielte, und zwar zu Zeiten wo selbst wir als Homo sapiens wohl weder den Begriff Evolution wie auch den für Hybridisierung geprägt und abstrakt belegt hatten, sollten wir lieber den Aspekt der Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen durch Hybridisierung mehr in den Vordergrund unserer Erwägungen rücken. Siehe dazu auch: Bidmon (2017) und die Arbeiten, die unter dem Stichwort Hybridisierung im Archiv kommentiert sind.
Literatur
Bidmon, H.-J. (2017): Sind phylogenetische Stammbäume nur ein Traum? – Schildkröten im Fokus 14(1): 14-27 ➚.
Galerien
Mauremys reevesii – Chinesische Dreikielschildkröte
Sacalia quadriocellata – Vietnamesische Pfauenaugen-Sumpfschildkröte