Nordaustralische Schlangenhalsschildkröte, Chelodina rugosa, – © Helene Truscott
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Truscott - 2026 - 01

Truscott, Helen, Jenny Davis, Erica A. Garcia & Carla C. Eisemberg (2026): Impact Pathways Derived From Conceptual Modelling Reveal the Impacts of Feral Water Buffalo on Northern Long-Necked Turtles in Tropical Wetlands. – Ecological Management & Restoration 27(2): e70042.

Aus konzeptionellen Modellen abgeleitete Wirkungswege zeigen die Auswirkungen verwilderter Wasserbüffel auf Nordaustralische Schlangenhalsschildkröten in tropischen Feuchtgebieten.

DOI: 10.1111/emr.70042 ➚

Nordaustralische Schlangenhalsschildkröte, Chelodina rugosa, – © Helene Truscott
Nordaustralische Schlangenhalsschildkröte,
Chelodina rugosa,
© Helene Truscott

Wirkungswegdiagramme auf der Grundlage konzeptioneller ökologischer Modellierung sind ein wichtiges Instrument, um zu ermitteln, wo wirksame Schutzstrategien entwickelt und gezielt eingesetzt werden können, um die Auswirkungen einer invasiven Art auf eine einheimische Art zu mindern. Diese sind besonders nützlich, wenn die Ausrottung der invasiven Art möglicherweise nicht möglich ist. Hier wenden wir diesen Ansatz an, um die Auswirkungen von verwilderten Wasserbüffeln (Bubalus bubalis) auf die Nördliche Langhalsschildkröte (Chelodina rugosa) im Arafura Swamp Indigenous Protected Area im Norden Australiens zu ermitteln. Das Verständnis der Wege, die zu schädlichen Auswirkungen führen, ist umso wichtiger, wenn die Auswirkungen der invasiven Art – in diesem Fall des Büffels – nicht direkt, sondern indirekt sind und sich aus der Rolle des Büffels als „Ökosystemingenieur“ ergeben. Die konzeptionelle Modellierung der physikalischen, chemischen und biotischen Veränderungen, die Büffel an den von C. rugosa während ihrer Lebensphasen genutzten Lebensräumen verursachen, sowie der damit verbundenen Reaktionen zeigte die Hauptwege auf, die zum Populationsrückgang führen. Dazu gehörten eine Verringerung des Fortpflanzungserfolgs von C. rugosa und eine verminderte Widerstandsfähigkeit gegenüber verlängerten Sommerruhephasen. Durch Büffel verursachte Bodenveränderungen können die Sterblichkeit von adulten Tieren und Eiern direkt erhöhen und die für eine erfolgreiche Sommerruhe und Embryonalentwicklung erforderlichen Bedingungen beeinträchtigen. Weitere Stressfaktoren sind die Prädation durch andere verwilderte Arten sowie Klimaschwankungen. Da die Wege, die zum Populationsrückgang führen, identifiziert wurden, können Mechanismen zur Bewältigung der Auswirkungen von Büffeln konzipiert und wirksame Strategien zum Schutz dieser kulturell bedeutenden Schildkrötenart entwickelt werden. Dieser Ansatz ist ein wirksames Instrument für Landbewirtschafter, wo artspezifische und ortsbezogene Schutzstrategien erforderlich sind, und ist entscheidend für den Artenschutz, wenn der Stressfaktor nicht wirksam beseitigt werden kann.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Die Arbeit beginnt mit einer ausführlichen Einleitung zur Erläuterung der Fragestellung und zur Unterscheidung von direkten und indirekten Gefährdungen, ebenso wie die Darstellung des Einflusses den Büffel als Landschaftsingenieure auf die Lebensräume haben. Dabei haben sowohl die Wasserbüffel als invasive Art eine wirtschaftliche Bedeutung wie auch Chelodina rugosa, die von der indogenen Bevölkerung genutzt wird. Letztere sorgte auch für die Durchführung dieser Studie, da sie als erste von den Schildkrötenpopulationseinbruch betroffen war. Die wesentlichen indirekten negativen Auswirkungen verursacht durch die Zunahme bei der Büffelpopulation waren zum einen der Salzeintrag in den Boden, da sie oft zwischen Brackwasserküstenzone und Inland wechseln. Zudem zertrampeln sie sowohl die Gelege der Schildkröten und sorgen durch das Abgrasen der Vegetation für erhöhte zum Teil letale Temperaturen in den Nisthabitaten. Insbesondere wirkt sich das Zertrampeln der vergrabenen adulten Schildkröten zum Beginn der Aestivationsphase negativ aus, da C. rugosa noch vor dem völligen Austrocknen der Feuchtgebiete sich innerhalb einer immer kleiner werdenden Feuchtgebietszone vergraben, die aber auch von den Büffeln verstärkt genutzt wird und zwar bevor die Oberfläche so trocken geworden ist, dass sie einen gewissen Schutz bieten könnte so verdichten, dass sich die Sauerstoffversorgung der ruhenden Schildkröten dramatisch verschlechtert. Insofern beschreibt die Arbeit die vielfältigen negativen Einflüsse und zeigt damit den Naturreservatmanagern Möglichkeiten auf, wie sie vielleicht, wenn keine ökonomischen Zwänge dem Widersprechen Abhilfe schaffen können. Hier haben wir also eine ganz andere Situation als bei der bedrohten amerikanischen Moorschildkröte, Glyptemys muhlenbergi deren Überleben ja gerade von den kleinen Pfützen in den Trittsiegeln von größeren Weidevieh innerhalb ihres Lebensraums profitiert (Travis et al., 2018). Siehe dazu auch Fordham et al., 2007a, b.

Literatur

Fordham, D. A., A. Georges & B. W. Brook (2007): Demographic response of snake-necked turtles correlates with indigenous harvest and feral pig predation in tropical northern Australia. – Journal of Animal Ecology 76(6): 1231-1243 oder Abstract-Archiv.

Fordham, D. A., A. Georges & B. Corey (2007b): Optimal conditions for egg storage, incubation and post-hatching growth for the freshwater turtle, Chelodina rugosa: Science in support of an indigenous enterprise. – Aquaculture 270(1-4): 105-114 oder Abstract-Archiv.

Travis, K. B., E. Kiviat, J. Tesauro, L. Stickle, M. Fadden, V. Steckler & L. Lukas (2018): Grazing for bog turtle (Glyptemys muhlenbergii) habitat management: Case study of a new york fen. – Herpetological Conservation and Biology 13(3): 726-742 oder Abstract-Archiv.

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