Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans, sitzt sonnend am Ufer – © Hans-Jürgen Bidmon
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Marchiori - 2026 - 01

Marchiori, Erica, Paola Beraldo, Cinzia Tessarin, Elisabetta Ferraro, Stefano Pesaro &Federica Marcer (2026): Description of helminthic fauna of Trachemys scripta (Thunberg in Schoepf, 1792) in a protected area in Northern Italy: evidence of co-introduction of non-native helminth species. – Frontiers in Veterinary Science 13: 1798584.

Beschreibung der Helminthenfauna von Trachemys scripta (Thunberg in Schoepf, 1792) in einem Schutzgebiet in Norditalien: Hinweise auf die gleichzeitige Einschleppung nicht heimischer Helminthenarten.

DOI: 10.3389/fvets.2026.1798584 ➚

Rotwangen-Schmuckschildkröte, Trachemys scripta elegans, – © Hans-Jürgen Bidmon
Rotwangen-Schmuckschildkröte,
Trachemys scripta elegans,
© Hans-Jürgen Bidmon

Biologische Invasionen finden weltweit in einem beispiellosen Ausmaß statt. Ihre Auswirkungen auf die Biodiversität werden sowohl durch direkte Konkurrenz mit einheimischen Arten als auch durch die Veränderung der Dynamik übertragbarer Krankheiten vermittelt. Die Rotwangen-Schmuckschildkröte Trachemys scripta gilt als eine der erfolgreichsten invasiven Arten in ganz Europa und hat sich als stärkerer Konkurrent der einheimischen Süßwasserschildkröte Emys orbicularis erwiesen. Dennoch haben nur wenige Studien die Parasiten von T. scripta in den Einfuhrländern untersucht. Mit dem Ziel, die taxonomische Helminthen-Zusammensetzung von T. scripta zu erforschen und potenzielle Übertragungsrisiken auf E. orbicularis zu bewerten, wurde eine Population von Rotwangen-Schmuckschildkröten aus einem Schutzgebiet im Nordosten Italiens beprobt, wo die beiden Schildkrötenarten koexistieren. Zweiundsechzig Tiere wurden unter humanen Bedingungen eingeschläfert und einer vollständigen parasitologischen Untersuchung unterzogen. Morphometrische und molekulare Daten wurden kombiniert, um die Helminthen auf Artenebene zu identifizieren. Insgesamt waren 68,4 % der Tiere positiv auf Helminthen getestet. Aus dem Magen-Darm-Trakt wurden drei Arten nachgewiesen, nämlich Telorchis corti (Digenea: Telorchiidae), Polystomoides oris (Monogenea: Polystomatidae), Serpinema microcephalus (Nematoda: Camallanidae) sowie eine Art aus der Harnblase, Polystomoides orbicularis. Drei der vier nachgewiesenen Arten gelten als exotisch, zwei davon wurden in Südeuropa bereits auch bei einheimischen Arten beschrieben. In Verbindung mit S. microcephalus wurden Läsionen der Bauchspeicheldrüse beobachtet, was auf eine verstärkte Pathologie bei diesem Wirt hindeutet. Studien zu E. orbicularis werden empfohlen, um Aufschluss über die Muster des Parasitenaustauschs zwischen den beiden Emydiden-Arten zu geben. Darüber hinaus wird eine umfassendere Untersuchung im gesamten Staatsgebiet empfohlen, um die Zusammensetzung der von dieser invasiven Art beherbergten Helminthen weiter zu erforschen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hierbei handelt es sich um eine ausführlich farbig bebilderte Arbeit, die die Charakteristika der vorgefundenen und bestimmten Parasitenarten auflistet. Was auffällt ist, dass die Parasiten nicht bei allen untersuchten Individuen gefunden wurden, was darauf hinweisen könnte, dass deren Übertragung auch innerhalb der Trachemys scripta hier in Europa noch nicht so schnell erfolgt wie oft vermutet. Ja, und auch diese Studie bestätigt den Befund, dass auch die für Europa endemische Spezies Serpinema microcephalus von Emys orbicularis auf Trachemys scripta übergeht. Insofern treffen die hier eingebürgerten exotischen Wasserschildkröten zumindest, wie gezeigt, auf einen für sie fremden Parasiten. Allerdings zeigen uns solche Arbeiten auch wieder, dass selbst wenn man die exotischen Schildkrötenspezies versucht auszumerzen, bleiben deren eingeschleppte Parasiten in unseren Ökosystemen und heimischen Schildkrötenarten erhalten. Siehe dazu auch Demkowska-Kutrzepa et al., (2018); Jennemann & Bidmon (2009); Schönbächler et al (2022) und die dortigen Kommentare.

Literatur

Demkowska-Kutrzepa, M., M. Studzińska, M. Roczeń-Karczmarz, K. Tomczuk, Z. Abbass & P. Różański (2018): A review of the helminths co-introduced with Trachemys scripta elegans – a threat to European native turtle health. – Amphibia-Reptilia 39(2): 177-189 oder Abstract-Archiv.

Jennemann, G. & H.-J. Bidmon (2009): Infektionen mit Blutparasiten aus der Familie der Spirorchiidae bei Emys orbicularis in Deutschland – auch eine potentielle Bedrohung für die letzten einheimischen Vorkommen der Art? – Schildkröten im Fokus 6(2): 3-18 ➚.

Schönbächler, K., P. Olias, O. K. Richard, F. C. Origgi, E. Dervas, S. Hoby, W. Basso & I. Berenguer Veiga (2022): Fatal spirorchiidosis in European pond turtles (Emys orbicularis) in Switzerland. – International Journal for Parasitology: Parasites and Wildlife 17(8): 144-151 oder Abstract-Archiv.

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