Truckenbrod, Shelby A., Claire E. Boudreaux & Timothy A. Clay (2026): Fine-scale movement patterns of diamondback terrapins (Malaclemys terrapin) on a southeast Louisiana barrier island. – Animal Biotelemetry 14(1): 16.
Feinskalierte Bewegungsmuster für die Diamantschildkröten (Malaclemys terrapin) auf den vorgelagerten Barriereinseln im Südosten von Louisiana.
DOI: 10.1186/s40317-026-00452-6 (externer Link)

Malaclemys terrapin,
im Aquaterrarium
© Hans-Jürgen Bidmon
Hintergrund: Die Verfolgung von Tierbewegungen in Brackwassersystemen stellt eine große Herausforderung dar, da Standard-Tracking-Techniken in diesen Umgebungen oft nur unzureichend funktionieren. Die Diamantschildkröte, eine semi-aquatische, in Flussmündungen lebende Schildkröte, die entlang der US-Atlantik- und Golfküste vorkommt, ist eine solche Art, über deren Bewegungsökologie nur begrenztes Wissen vorliegt, insbesondere innerhalb der Golfregion. Wir nutzten eine neuartige Methode, um die Bewegungen der Sumpfschildkröten auf feiner räumlicher und zeitlicher Skala mittels eines automatisierten Funk-Telemetriesystems auf einer Barriereinsel im Südosten von Louisiana zu verfolgen. Von August 2022 bis Mai 2023 fingen wir 38 Diamantschildkröten ein und markierten sie mit Funksendern. Wir haben die Standorte trianguliert, stündliche und tägliche Bewegungsraten berechnet und verallgemeinerte lineare gemischte Modelle verwendet, um Faktoren zu bestimmen, die sowohl die stündliche als auch die tägliche Bewegung der Sumpfschildkröten beeinflussen.
Ergebnisse: Wir stellten fest, dass die Panzerlänge, die Tageszeit und die Wassertemperatur wichtige Prädiktoren für die stündliche Bewegung waren, während die Jahreszeit die tägliche Bewegung stark beeinflusste. Die Bewegung erreichte ihren Höhepunkt um die Mittagszeit und bei moderaten Wassertemperaturen (24,6 °C). Die größten Bewegungen traten zu Beginn der aktiven Saison während der Paarungs- und Nistaktivitäten auf. Größere Schildkröten legten sowohl auf stündlicher als auch auf täglicher Ebene längere Strecken zurück, was durch den positiven Effekt der Panzerlänge angezeigt wurde.
Schlussfolgerungen: Das von uns eingesetzte automatisierte Funk-Telemetriesystem erwies sich als effektiv für eine hochgenaue Standortbestimmung und die detaillierte Charakterisierung der Bewegungsmuster der Diamantschildkröten. Unsere Ergebnisse stützen das bisherige Wissen über das saisonale und diurnale Verhalten von Diamantschildkröten im großen Maßstab, deckten jedoch Faktoren auf, die die Bewegungen im Feinstmaßstab beeinflussen und mit herkömmlichen Ortungstechniken nur schwer zu dokumentieren sind. Diese Studie verdeutlicht die Bedeutung der Bewegungsüberwachung für die Steuerung von Schutzmaßnahmen und Managemententscheidungen für Arten in dynamischen Salzwiesen-Ökosystemen.
Kommentar von H.-J. Bidmon
Hier beobachteten die Autoren stündliche Bewegungsmuster von minimal 3 m/Stunde bis maximal 436 m/ Stunde und tägliche Wanderungen von minimal 370 m und maximal 2.616 m. Diese Daten liefern aber nicht die Gründe für die in diesen natürlichen Lebensraum beobachteten Bewegungsmuster. Letzteres liefert aber gute Daten für das Erhaltungsmanagement vor Ort. Zudem enthält die Arbeit farbige Abbildungen zu den Geräten und der Methode, die dieses zeitsparende Monitoring ermöglicht. Insofern wäre das auch durchaus hier zur Überwachung von heimischen Sumpfschildkröten durchaus zu implementieren. Siehe dazu auch Lamont et al. (2023).
Literatur
Lamont, M. M., M. E. Price & D. J. Catizone (2023): Satellite telemetry reveals space use of diamondback terrapins. – Animal Biotelemetry 11(42) oder im Abstract-Archiv.
Galerien
Malaclemys terrapin – Diamantschildkröte