Lederschildkröte, Dermochelys coriacea, auf Grenada nistend – © Kate Charles, Ocean Spirits Inc.

Colombo - 2026 - 01

Colombo, Wesley D., Sarah de S. A. Teodoro, João Luiz G. da Fonseca, Gabrielly L. Schultz & Sarah M. Vargas (2026): Haplotypes across the Oceans: worldwide phylogeography, evolution, conservation and nomenclature standardization in the leatherback sea turtle (Dermochelys coriacea). – PLoS One 21(8): e0354151.

Haplotyp-Verteilung über die Ozeane: Die weltweite Phylogeographie, Evolution, Erhaltung und Standardisierung der Nomenklatur bei der Lederschildkröte (Dermochelys coriacea).

DOI: 10.1371/journal.pone.0354151 (externer Link)

Lederschildkröte, Dermochelys coriacea, – © Jeanette Wyneken
Lederschildkröte,
Dermochelys coriacea,
© Jeanette Wyneken

Eine inkonsistente Haplotyp-Nomenklatur erschwert die Integration genetischer Daten in populationsgenetische und phylogeografische Studien zur Lederschildkröte (Dermochelys coriacea). Frühere Studien, die mitochondriale DNA-Sequenzen (mtDNA) aus der Kontrollregion unterschiedlicher Länge (z. B. 496 bp, 711 bp, 763 bp) verwendeten, führten zu redundanten Klassifizierungen und Fehlinterpretationen der Populationsstruktur. In dieser Studie haben wir 304 mtDNA-Sequenzen aus der Kontrollregion aus der GenBank ausgewertet, die alle veröffentlichten Haplotypen aus dem Atlantik, dem Indischen Ozean und dem Pazifik repräsentieren. Wir haben eine standardisierte Nomenklatur vorgeschlagen, die auf zwei Sequenzlängen basiert: 473 bp (kurz) und 681 bp (lang). Wir identifizierten 32 Haplotypen im Datensatz mit langen Sequenzen und 24 im Datensatz mit kurzen Sequenzen, mit 21 bzw. 14 variablen Stellen. Haplotyp-Netzwerkanalysen zeigten eine starke genetische Struktur, wobei Dc1.1 (lang) und Dc1 (kurz) die am weitesten verbreiteten Haplotypen waren. Die Rekonstruktion des Ursprungsgebiets deutete auf einen pazifischen Ursprung der basalsten D. coriacea-Knoten hin, gefolgt von mehreren Übergängen in den Atlantik und den Indischen Ozean. Schätzungen der Divergenzzeit datierten den Ursprung der heutigen D. coriacea-Klade auf vor etwa 4,86 Millionen Jahren (Ma), wobei Dc1.1 vor etwa 0,49 Ma entstand. Die Besiedlungen des Atlantiks erfolgten vor ca. 1,75 Ma und ca. 1,73 Ma, die des Indischen Ozeans vor ca. 3,00 Ma. Diese Ergebnisse sprechen für die Einführung einer einheitlichen Haplotyp-Nomenklatur, um die populationsgenetische Struktur zu klären und die Konsistenz genetischer Bewertungen für Naturschutzzwecke zu verbessern.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Eine interessante Arbeit dahingehend, dass sie uns zeigt, dass auch Lederschildkröten schon während der letzten 4,86 Millionen Jahre etliche Klimaszenarien überdauern konnten und auch heute noch eine gute populationsgenetische Struktur zeigen. Da stellt sich wohl heute eher die Frage, ob wir ihnen auch zukünftig gewähren die Überlebenspotenz auszunutzen, denn wenn wir uns die heutigen von uns verursachten Umweltbelastungen einmal vor Augen führen, könnten sie diese mehr gefährden als der Klimawandel (Lehner et al. (2026).

Literatur

Lehner, Andreas F., Mark Bokhart, John P. Buchweitz, Raschelli A. E. Linz & Justin R. Perrault (2026): Analysis of persistent organic pollutants (organochlorine pesticides & PCBs) in livers of leatherback sea turtles (Dermochelys coriacea) by GC-MS/MS. – Toxicology Mechanisms and Methods 36(8): 1341-1363 oder im Abstract-Archiv.

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