Carolina-Dosenschildkröte, Terrapene carolina, – © Hans-Jürgen Bidmon
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Daleo - 2026 - 02

Daleo, Maris J., Charles J. Innis, Laura A. Adamovicz, Christopher J. Bonar, Dave Collins, Carly R. Harkey, Melissa Joblon, Adam Kennedy, Jessica N. Lovstad, Brianne E. Phillips, Karen A. Terio, Julie Thompson-Slacum, Kathryn A. Tuxbury, Kimberlee B. Wojick & Matthew C. Allender (2026): Large-scale Disease-associated mortality event of Eastern box turtles (Terrapene carolina carolina) confiscated due to the illegal wildlife trade. – Journal of Zoo and Wildlife Medicine 57(2): 228-237.

Großes, krankheitsbedingtes Sterblichkeitsereignis bei östlichen Dosenschildkröten (Terrapene carolina carolina), die aufgrund des illegalen Handels mit Wildtieren beschlagnahmt wurden.

DOI: 10.1638/2025-0081 (externer Link)

Carolina-Dosenschildkröte, Terrapene carolina, – © Hans-Jürgen Bidmon
Carolina-Dosenschildkröte,
Terrapene carolina,
© Hans-Jürgen Bidmon

Der Bestand der Östlichen Dosenschildkröte (Terrapene carolina carolina) geht im gesamten Verbreitungsgebiet aufgrund anthropogener Faktoren, darunter der illegale Handel mit Wildtieren, zurück. Infektionskrankheiten, die eine hohe Morbidität und Mortalität verursachen, wie beispielsweise das Froschvirus 3 (Familie Iridoviridae, Gattung Ranavirus, Art Rana1), können diese Art sowohl in Gefangenschaft als auch in freier Wildbahn bedrohen. Im illegalen Wildtierhandel sind hohe Übertragungsraten von Infektionskrankheiten dokumentiert; die Auswirkungen der Krankheiten auf die Gesundheit, das Überleben und den letztendlichen Verbleib der beschlagnahmten Schildkröten sind jedoch nicht umfassend beschrieben. Im Juli 2021 wurden 96 östliche Dosenschildkröten vom US Fish and Wildlife Service auf ihrem illegalen Transportweg nach Asien beschlagnahmt und im Rahmen des Programms „Saving Animals from Extinction American Turtles“ der Association of Zoos and Aquariums in drei Zoos umgesiedelt. Von Juli bis August wurden 35 Tiere für die Erregerüberwachung ausgewählt; davon waren 94 % mittels qPCR positiv auf das Froschvirus 3 (FV3; kürzlich umbenannt in Ranavirus rana1) positiv, 100 % waren positiv für Mycoplasmopsis sp. (BTMyco), 80 % waren positiv für das Terrapene-Herpesvirus 1 (TerHV1) und 60 % waren positiv für das Terrapene-Adenovirus (TerAdv). Bei jeder Schildkröte wurden mindestens zwei Erreger gleichzeitig nachgewiesen. Vierzig der ursprünglich 96 Schildkröten starben (31 der 35 getesteten Schildkröten), und im September 2021 wurden die überlebenden 56 (4 aus der Untergruppe der 35) Schildkröten an die University of Illinois überführt. Diese verbleibenden Schildkröten wurden mittels qPCR positiv auf FV3 (32 %), BTMyco (64 %), TerAdv (64 %), TerHV1 (66 %), das Terrapene-Herpesvirus 2 (18 %) und humanpathogene Leptospira spp. (2 %) getestet. Bei 41 Schildkröten (73 %) wurden mehrere Erreger gleichzeitig nachgewiesen. Alle 56 Schildkröten hielten im Winter 2021 Winterschlaf und wurden im Mai 2022 tot aufgefunden, wobei die Autolyse eine diagnostische Obduktion einschränkte. Die vollständige Sterblichkeit der 96 beschlagnahmten östlichen Dosenschildkröten zeigt, dass schlechter Gesundheitszustand und Krankheitsübertragung das Wohlergehen und das Überleben illegal gehandelter Tiere negativ beeinflussen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Diese veterinärmedizinische Fallbeschreibung stimmt wenig hoffnungsvoll und zeigt, dass die Haltungs- und Transportbedingungen im illegalen Tierhandel schlecht sind, klärt aber weder ob sie im legalen Handelbesser wären, noch klärt sie den Infektionsweg dieser Terrapene c. carolina. Wichtig wäre es aber proaktiv abzuklären, ob diese Infektion einzeln oder auch Kombination schon bei freilebenden Populationen auftreten und wo diese Erreger schon in der Umwelt, sprich bei wildlebenden, gesund erscheinenden Schildkröten vorhanden sind. Denn nur von diesen Erkenntnissen wäre es wohl abhängig, wie man sich zum einen in Bezug auf die Unterbringung beschlagnahmter Individuen verhalten sollte, um Ansteckungen und die Übertragung in Wildbestände zu minimieren und ebenso wäre es wichtig inwieweit diese Erreger in freier Wildbahn vorhanden sind und nur durch Gefangenschaftsstress-bedingte oder Umsiedlungsstress-assoziierte Faktoren verstärkt und lethal in Erscheinung treten. Siehe dazu auch Nousias et al., (2026) sowie Woodburn et al., (2019) und die dortigen Kommentare.

Literatur

Nousias, Orestis, Fiona G. Duffy, Isabelle J. Duffy, Mark McCauley, Jenny Whilde & David J. Duffy (2026): Long-read nanopore shotgun metagenomic DNA sequencing for river biodiversity, wildlife, pollution, and environmental health monitoring. – NAR Genomics and Bioinformatics 8(2): lqag040 oder im Abstract-Archiv.

Woodburn, Daniel B., Andrew N. Miller, Matthew C. Allender, Carol W. Maddox & Karen A. Terio (2019): Emydomyces testavorans, a New Genus and Species of Onygenalean Fungus Isolated from Shell Lesions of Freshwater Aquatic Turtles. – Journal of Clinical Microbiology 57(2); DOI: 10.1128/JCM.00628-18 (externer Link).

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