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Abstracts aller Autoren, beginnend mit T

Tucker - 2012 - 01

Tucker, A. D., F. Guarino & T. E. Priest (2012): Where Lakes Were Once Rivers: Contrasts of Freshwater Turtle Diets in Dams and Rivers of Southeastern Queensland. – Chelonian Conservation and Biology 11(1): 12-23.

Wo Seen einst Flüsse waren: Gegensätze in der Wasserschildkrötennahrung in Stauseen und Flüssen des südöstlichen Queensland.

DOI: 10.2744/CCB-0906.1 ➚

 Emydura macquarii, – © Bruce C. Chessman
Breitrand-Spitzkopfschildkröte,
Emydura macquarii,
© Bruce C. Chessman

Wir verglichen die Nahrung von drei Schildkröten (Elseya albagula, Myuchelys latisternum, Emydura krefftii) und zwar in frei fließenden Flüssen und aufgestauten Dämmen im südöstlichen Queensland, Australien, um die Auswirkungen der Gewässerregulierung zu erfassen. Die Schildkröten gehörten zu den Herbivoren, Karnivoren und Omnivoren. Das Studiendesign berücksichtigte ontogenetische (entwicklungsbedingte) Nahrungswechsel und saisonale Ernährungsaspekte der Beuteverfügbarkeit. Relativ zu den in frei fließenden Flüssen erhobenen Befunden war das Nahrungsspektrum für alle drei Schildkrötenarten in den Staudämmen stark reduziert, was die Häufigkeit der Nahrung, den Artenreichtum des Nahrungsangebots und deren Breite anbelangt. Schildkröten, die von sich aus ein schmales Nahrungsspektrum in den frei fließenden Flüssen haben, sind von den Aufstauungen (Dämmen) stärker betroffen als Schildkrötenarten, die als Nahrungsgeneralisten gelten. Für die am meisten omnivore Schildkröte ergaben sich klare Unterschiede in Bezug auf die Nahrung in Stauseen im Vergleich zu jener in Flüssen, da sie aber als Omnivore ein breiteres Nahrungsspektrum nutzen, waren die quantitativen Ernährungsunterschiede bei ihnen nur gering. Die Nahrung der Schildkröten in Stauseen zeichnete sich im Vergleich zu jener in den Flüssen durch weniger Unterwasserpflanzen und durch weniger vom Wind abgeschüttelte Früchte aus. Bei den hauptsächlich karnivoren Schildkröten enthielt die Nahrung in Stauseen weniger Evertebraten als in den Flusshabitaten und sie lebten meist als Aasfresser innerhalb der Stauseen. Eine multidimensionale Auswertung der Ortscharakteristika innerhalb der Stauseen zeigte, dass diese Nahrungsunterschiede bis zu 20 km hinter der Staumauer zu beobachten waren. Eine kanonische Korrespondenzanalyse ergab, dass die Habitatveränderung und die Körpergröße der Schildkröten die bestimmenden Faktoren für die festgestellten Nahrungsunterschiede waren. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die Ernährungsökologie der Schildkröten durch die Flussregulierung verändert wurde. Das generelle Ergebnis, dass die Schildkrötennahrung in Stauseen kaum Wasserpflanzen und Makro-Evertebraten enthält, hat eine gewisse Allgemeingültigkeit und dürfte auch auf andere Stauseen zutreffen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Liebe Leser, wie diese Arbeit verdeutlicht, ergeben sich auch im Freiland für die Schildkröten Veränderungen, die sich selbst auf die Ernährung auswirken. Die spannende Frage bei solchen Beobachtungen ist meines Erachtens nicht, wie die Tiere und jeweiligen Spezies kurzfristig damit zurechtkommen, denn, dass sie das können, zeigt uns ja jede Form der Schildkrötenhaltung, die ja auch mit solchen Veränderungen einhergeht. Hier macht es aber Sinn, die Langzeittrends zu beobachten und die damit verbundenen Veränderungen zu erfassen, denn wenn sich schon kurzfristig beobachten lässt, dass sich eine omnivore Spezies im Stausee hauptsächlich von Aas ernährt, wird sie wohl mehr und mehr zur karnivoren Ernährung übergehen. Letzteres wirft die Frage auf, welche anderen physiologischen oder gar morphologischen Anpassungen zieht das nach sich? Dass sich solche Anpassungen durchaus auch für evolutive Zeitspannen in recht kurzer Zeit einstellen können, wurde ja in einem anderen Zusammenhang erst kürzlich von Wolak et al. (2010) gezeigt.

Literatur

Wolak, M. E., G. W. Gilchrist, V. A. Ruzicka, D. M. Nally & R. M. Chambers (2010): A Contemporary, Sex-Limited Change in Body Size of an Estuarine Turtle in Response to Commercial Fishing. – Conservation Biology 24(5): 1268-1277 oder Abstract-Archiv.

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