Zhou - 2008 - 01

Zhou, X., Q. Guo & H. Dai (2008): Identification of differentially expressed immune-relevant genes in Chinese soft-shelled turtle (Trionyx sinensis) infected with Aeromonas hydrophila. – Veterinary Immunology and Immunopathology 125(1-2): 82-91.

Identifizierung von differentiell expremierter immunologisch relevanter Gene bei der Chinesischen Weichschildkröte (Trionyx sinensis) die mit Aeromonas hydrophila infiziert sind.

DOI: 10.1016/j.vetimm.2008.05.008 ➚

Expremierte Sequenz Tag Analysen (Expressed sequence tag (EST) sind eine effiziente Methode, um Gene zu entdecken und um Genexpressionsmuster zu untersuchen. Aeromonas hydrophila, ist ein ubiquitär im Wasser vorhandenes Bakterium, und ist eines der häufigsten Pathogene (Krankheitserreger), das aus erkrankten Wasserschildkröten isoliert wird. Um nun die antibakterielle Immunabwehrreaktion von Reptilien zu verstehen, untersuchten wir die Gene, die differentiell bei der Chinesischen Weichschildkröte (Trionyx sinensis) angeschaltet werden, nachdem sie sich mit A. hydrophila infiziert hat, mittels einer Technik, die als Suppression Subtractive Hybridisierung (SSH) bekannt ist. Wir konnten 42 Gene in mehr als 200 Klonen identifizieren, wobei 25 Gene überhaupt zum ersten Mal für Reptilien beschrieben werden konnten. Die wurden in sechs Kategorien unterteilt: 18 Gene, die direkt mit der Immunität und Abwehr gekoppelt waren, 4 Gene für katalytische Funktionen, 2 Retrotransposons, 2 Gene der Zellsignaltransduktion, 5 Gene, die den Zellmetabolismus regeln, 19 Gene für Proteinexpression und ein Gen, das mit für die Zellstruktur verantwortlich ist. Von den 42 differentiell exprimierten Genen wurden mit der Northern Hybridisierung und in RT-PCR Assays als stark hochreguliert 6 Gene, IL-8, Serumamyloid A (SAA), CD9, CD59, Activating transcription factor 4 (ATF4) und das Cathepsin L Gen identifiziert.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Auch bei dieser Arbeit wieder ein guter neuer Ansatz, der zeigt, wie sich auch die diagnostischen Verfahren in der Veterinärmedizin weiterentwickeln und wie sie unser Verständnis von der Immunabwehr, bzw. den pathologischen Reaktionen verändern. Denn in der Vergangenheit konzentrierte sich eine Diagnose meist auf wenige charakteristische Symptome. Diese Arbeit zeigt ja, dass die Reaktionen vielfältiger sind, wie der hohen Zahl differentieller Veränderungen am Genexpressionsmuster zu entnehmen ist. Wie auch bei einigen früheren Arbeiten werden diese Forschungsarbeiten wieder nur an wirtschaftlich interessanten Arten in den Staaten, in denen es diese ökonomischen Interessen gibt, gefördert und realisiert. Auch daran sieht man, dass alles zwei Seiten hat oder dem Yin-Yang-Prinzip folgt. Auf der einen Seite die Verurteilung der kommerziellen Ausbeutung der Schildkrötenbestände auch durch Zuchtfarmer (siehe Haitao et al. (2007) oder Dai et al. (2008), auf der anderen Seite aber auch die Entwicklung diagnostischer Verfahren und Behandlungsmethoden, die sehr wahrscheinlich dort, wo Schildkröten nur in Zoos oder aus Liebhaberei gehalten werden, nie angegangen worden wären. Und wenn man insbesondere mal nach Deutschland blickt, da scheint die Uneinigkeit der herpetologisch interessierten Interessensverbände so uneinig und anderweitig interessiert zu sein, als dass sie eine wirkliche Lobby für bessere veterinärmedizinische Forschung zur Haltungsverbesserung darstellen würden. Sicher auch mit ein Grund, warum selbst falsch informierte Tierschutzorganisationen so leichtes Spiel haben, die private Exotenhaltung in Verruf zu bringen. Ja, man kann die Chinesen und die dort kaum vorhandenen Natur- und Artenschutzbemühungen immer wieder anprangern, aber auf der anderen Seite sollte man auch sehen, dass unsere mangelnde veterinärmedizinische Forschung an Reptilien und der Mangel an aktiver Förderung durch die entsprechenden Interessensverbände dazu führen wird, dass wir wahrscheinlich echte wirklich reptilien-spezifisch wirksame Medikamente und Behandlungsverfahren in nicht allzu ferner Zukunft genau dort einkaufen müssen. Ich frage mich wirklich, ob zukunftsweisende Herpetologie im 21. Jahrhundert wie bisher auf die rein systematisch, ökologische Betrachtung und Nachwuchsförderung aufbauen kann, zumal wir auch auf diesem Gebiet (abgesehen von einzelnen anerkennenswerten Ausnahmen) oft noch den internationalen Wissenschaftsstandards hinterher laufen. Dabei mangelt es nicht einmal an guten Ideen und Initiativen, vielmehr an konsequenter Führung und Förderung, die nicht selten durch die Eigeninteressen der Beteiligten und dem fehlenden Willen, mal der Sache wegen über den eignen Schatten zu springen, geopfert werden. Insofern wäre es schon einmal ein guter Ansatz, der auch der Gesellschaft und Politik gegenüber Zeichen setzen würde, wenn man anfangen würde, veterinärmedizinische Arbeiten genauso zu unterstützen, wie man bis dato Sammelreisen und Bestandsanalysen für Systematiker finanziell unterstützt und fördert. Denn die Masse der zu vergebenden Mittel rekrutiert sich doch meist aus den Beiträgen der Terrarianer und deren Interesse ist auch eine möglichst gute veterinärmedizinische Versorgung im Sinne der artgerechten Haltung und dem Tierschutz zu bekommen.

Literatur

Dai, F., C. Mohr & B. Pfau (2008): Gedanken zur Bedeutung von Schildkröten in China. – Radiata 17(2): 2-13.

Haitao, S., J. F. Parham, M. Lau & T.-H. Chen (2007): Farming Endangered Turtles to Extinction in China. – Conservation Biology 21(1): 5-6 oder Abstract-Archiv.