Mitchell - 2013 - 01

Mitchell, N., M. R. Hipsey, S. Arnall, G. McGrath, H. Bin Tareque, G. Kuchling, R. Vogwill, M. Sivapalan, W. P. Porter & M. R. Kearney (2013): Linking Eco-Energetics and Eco-Hydrology to Select Sites for the Assisted Colonization of Australia’s Rarest Reptile – Biology 2(1): 1-25.

Die Verbindung von Öko-Energetik und Öko-Hydrologie zur Auswahl von Lokalitäten, die sich für die Besiedlung mit Australiens seltenstem Reptil eignen.

DOI: 10.3390/biology2010001 ➚

Unter unterstützter Kolonisation versteht man die Umsiedlung von Arten aus unbrauchbar gewordenen Lebensräumen, in solche die den ökologischen Ansprüchen der jeweiligen Art entsprechen. Letzteres ist eine sehr kontrovers diskutierte Managementoption, die darauf abzielt, das Aussterben von Populationenen zu verhindern, für die es selbst unmöglich geworden ist durch Migration den Folgen des Klimawandels auszuweichen, um zu überleben. Die Identifizierung solcher Lokalitäten für die Umsiedlung ist ein dringliches Anliegen. Korrelative Artverbreitungsmodelle, die auf Vorkommensdaten basieren, sind dabei nur von begrenztem Wert zur Ortsauswahl bei Arten die ein historisch (aus der Vergangenheit bekanntes) kleines Verbreitungsareal aufweisen. Im Gegensatz liefern mechanistische Artverbreitungsmodelle viel versprechende Möglichkeiten zur Auswahl von Umsiedlungsorten. Hier in dieser Studie integrieren wir ökoenergetische und hydrologische Modelle, um die Langzeiteignung des derzeitigen Habitats für die weltweit seltenste Schildkröte, die hochgradig gefährdete westliche Sumpfschildkröte (Pseudemydura umbrina), zu bestimmen. Unser integriertes Modell ermöglicht uns zu verstehen, wie die Interaktion (Zusammenhänge) zwischen thermalen und hydrologischen Faktoren aussehen, die sich auf das zeitliche Ernährungsfenster der Schildkröten auswirken, indem wir die hydrologischen Langzeitprognosen für deren derzeitiges Habitat analysieren. Dieser Prozessablauf kann dann wiederholtermaßen für mehrere Landschaftsformationen bei sich zukünftig veränderndem Klima angewandt werden, die in einer in Bezug auf die Schildkröten vergleichbaren thermodynamischen Nische liegen. Die Vorhersagen zeigen, dass der Klimawandel die Hydroperioden (Feuchtperioden) für die Schildkröten verkürzen wird. Allerdings, unter einigen Szenarien zum Klimawandel, bleibt die Habitatqualität dennoch stabil und verbessert sich sogar, weil sich das Ausmaß der verfügbaren Wärmeenergie verbessert. Wir diskutieren dabei auch, wie sich unsere Vorhersagen mit Energiemengemodellen integrieren lassen, die dazu dienen die Konsequenzen, die sich aus diesen biophysikalischen Einschränkungen ergeben, für das Wachstum, die Reproduktion und die Körperkondition einzuschätzen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Siehe auch Mitchell et al., (2012).

Literatur

Mitchell, N. J., T. V. Jones & G. Kuchling (2012): Simulated climate change increases juvenile growth in a Critically Endangered tortoise. – Endangered Species Research 17(1): 73-82 oder Abstract-Archiv.


Drucken   E-Mail