Le - 2020 - 01

Le, M. D., T. E. M. McCormack, H. V. Hoang, H. T. Duong, T. Q. Nguyen, T. Ziegler, H. D. Nguyen & H. T. Ngo (2020): Threats from wildlife trade: The importance of genetic data in safeguarding the endangered Four-eyed Turtle (Sacalia quadriocellata). – Nature Conservation 41: 91-111.

Vom Wildtierhandel bedroht: Die Bedeutung genetischer Daten für den Schutz der bedrohten Pfauenaugenschildkröte (Sacalia quadriocellata).

DOI: 10.3897/natureconservation.41.54661 ➚

Vietnamesische Pfauenaugen-Sumpfschildkröte, Sacalia quadriocellata, – © Thomas Ziegler
Vietnamesische
Pfauenaugen-Sumpfschildkröte,
Sacalia quadriocellata,
© Thomas Ziegler

Der Wildtierhandel wird als die größte Gefährdung für die Biodiversität in Südostasien angesehen. Als Ergebnis der hohen Nachfrage auf den Märkten Chinas und anderer Länder in der Region werden viele Wirbeltiere wie die Schuppentiere, Elefanten, und Schildkröten sehr stark bejagt. In Vietnam hat der über Jahrzehnte andauernde Schildkrötenfang für den internationalen Handel viele Populationen ausgelöscht wodurch mehrere Arten kurz vor der Ausrottung stehen. Um diesen Trend zu revidieren wird als Erhaltungsmaßnahme das Wiederauswildern von beschlagnahmten oder in Gefangenschaft gezüchteter Tiere in die ursprünglichen natürlichen Habitate empfohlen, um damit die jeweiligen sehr stark abnehmenden lokalen Populationen zu stärken. Für Arten die eine komplexe phylogeographische Struktur aufweisen ist es allerdings wichtig deren biogeographische Verbreitungsmuster für ihre genetisch distinkten Populationen zu kennen, um zu verhindern, dass Individuen mit unbekannter Herkunft an falscher Stelle ausgewildert werden. In dieser Studie untersuchten wir das phylogeographischen Muster der Vieraugen-Pfauenaugenschildkröte (Sacalia quadriocellata) einer häufig gehandelten Spezies, die sowohl in Südchina, dem nördlichen und zentralen Laos, wie auch in vielen Teilen Vietnams beheimatet ist, wobei wir Proben mit bekannter exakter Herkunft und solche die im lokalen Handel gesammelt wurden analysierten. Unsere verbreitungsgebietsübergreifende phylogeographische Netzwerkstudie basierte auf dem kompletten mitochondrialen Cytochrom-b-Gen und es wurden mindestens drei Hauptkladen und sieben Unterkladen innerhalb des Gesamtverbreitungsgebiets für diese Art identifiziert. Innerhalb der Unterkladen entdeckten wir zwei bislang völlig neue eine davon im nördlichen Annamites, Vietnam und die zweite im nordöstlichen Laos. Eine feiner skalierte phylogeographische Analyse half uns dabei bislang falsch identifizierte Sequenzen aus einer Genbank und jene von beschlagnahmten Exemplaren mit unbekannter Herkunft soweit zu identifizieren, dass wir sie gut definierten geographischen Populationen zuordnen konnten. Diese Ergebnisse bringen die Notwendigkeit zum Ausdruck Proben aus der Wildnis wie auch Proben aus dem lokalen Handel in Kombination genetisch zu analysieren, um damit sowohl ex situ wie auch in situ Erhaltungsprogramme von hochgradig bedrohten Spezies in Einklang mit dem Ein-Plan-Ansatz der IUCN umzusetzen.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Sicherlich eine hilfreiche Studie die wieder einmal darauf ausgerichtet ist diese Spezies in der Natur in ihrer Vielfalt zu erhalten und die sicherlich auch dazu beitragen zukünftig solche Vorkommnisse wie sie von Nikolić & Golubović (2017) beschrieben wurden zu entschärfen. Allerdings sollten wir auch bei solchen genetisch abgeklärten Zugehörigkeiten in Bezug auf die Wiederauswilderung bedenken welche Gefahren damit trotzdem noch verbunden sein können (siehe Mullin et al., 2020).

Literatur

Mullin, D., R. C. White, A. M. Lentini, R. J. Brooks, K. R. Beriault & J. D. Litzgus (2020): Predation and disease limit population recovery following 15 years of headstarting an endangered freshwater turtle. – Biological Conservation 245: 108496 oder Abstract-Archiv.

Nikolić, S. & A. Golubović (2017): Confiscated Emys orbicularis (Linnaeus, 1758) Dying Out in a „Temporary“ Reception Facility in Serbia: a Case Study Showing the Urgency for a Regional Reptile Rescue Centre. – Acta Zoologica Bulgarica 10: 115-120 oder Abstract-Archiv.

 

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